Im Nebel

von Hermann Hesse
(Quelle: Conrady, Das Große Deutsche Gedicht-Buch)


Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein.
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war,
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.





Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist einsam sein.
Kein Mensch kennt den anderen,
Jeder ist allein.

 






November

graue Tage
die Nebel steigen
der Winter
steht drohend
vor der Tür

Melancholie
singt ihr Lied
und du
singst müde mit

November

heißer Tee
romantischer Kerzenschein
ein guter Film
Musik für's Herz

Freude
singt ihr Lied
und du
singst leise mit
ja, November ist
was man daraus macht!!

(c) Engelbert Schinkel




NOVEMBERTAG
von Christian Morgenstern


Nebel hängt wie Rauch ums Haus,
Drängt die Welt nach innen.
Ohne Not geht niemand aus,
Alles fällt in Sinnen.
Leiser wird die Hand, der Mund,
Stiller die Gebärde.
Heimlich, wie auf Meeresgrund
Träumen Mensch und Erde.






SEPTEMBERMORGEN
von Eduard Möricke

 

Im Nebel ruhet noch die Welt,
Noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt,
Herbstkräftig die gedämpfte Welt
In warmem Golde fließen.





Nebeltag

Schritte im Nebel
von Schleiern
umschlossen der Tag
kein Duchblick
kein Halt
auf leisen Füßen
schleichen sich
Stunden voran
zu lösen
aus Nebeln den Tag

Annemarie Schnitt



Morgennebeltau

Morgennebeltau
bedeckt den Zaun aus Holz
an dem ich steh'

ich konnt nicht schlafen
wieder mal

wie so oft
seit du gingst

und nun versuche ich
im Nebel
einen Schatten zu sehn
dich darin zu entdecken

doch nichts passiert
nur meine Hände

werden kalt

vom
Morgennebeltau.

(c) Engelbert Schinkel